Abstracts Symposium Brauchen Eltern Schule? Let´s talk about it!

 

 

Braucht Beziehung Schule?

Wie sollte gute Therapie bei frühkindlichen Störungen aussehen?

Im vergangenen Oktober ist der Dokumentarfilm „Elternschule“ in Deutschen Programmkinos angelaufen und hat eine große Öffentlichkeit auf den Plan gerufen. Die anfängliche Begeisterung ist schnell in Ablehnung umgeschlagen.

Wir möchten die Diskussion um diesen Film zum Anlass nehmen, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen zu Fragen wie:  Auf welche Not von Familien reagiert der Film? Welche anderen Wege zur Unterstützung von Familien lassen sich aus Forschungsansätzen in den Kindheitswissenschaften, der Neurophysiologie, der Bindungs- und Traumaforschung ableiten? Was brauchen junge Familien und mit welcher Haltung begegnen wir ihnen? Wie setzen wir das Wissen über die Bedürfnisse der Familien, unsere Haltung und unser Fachwissen in Beratung und Therapie um?

Die praxisorientierten Beiträge werden von einer Diskussion begleitet. Wir möchten die Gespräche mit Ihnen im Rahmen einer Podiumsdiskussion wieder in die Richtung lenken, wie eine Vielfalt an wertschätzenden und wirksamen Beratungs- und Therapieangeboten für Säuglinge und Kleinkinder zu gestalten ist. 

Wir freuen uns Sie in Köln begrüßen zu können.

Vorschau / Abstracts

Ruhig bleiben: reine Nervensache, oder? Dr. Mauri Fries

Wenn überforderte Eltern sagen, sie sind mit den Nerven am Ende, dann sprechen sie über Erfahrungen, die sich u. a. auch in ihrem Autonomen Nervensystem abspielen. Ein verbessertes Verständnis über die grundlegenden Regulationsprozesse des Autonomen Nervensystems kann mit dazu beitragen, Eltern und Kinder zu unterstützen, ohne erneute Erfahrungen von Überwältigung, Hilflosigkeit oder Verlassenheit machen zu müssen. Mit der Polyvagaltheorie von Steven Porges und ihrer Anwendung in traumatherapeutischen Verfahren (z. B. Somatic Exeperiencing) steht ein Basiskonzept zu Verfügung, welches auch zur Selbst- und Koregulation von Kindern, Eltern und Fachkräften genutzt werden kann.

Dr. phil. Mauri Fries

  • Diplom Psychologin
  • HP-Psychotherapie
  • Systemische Familienberatung und Supervision
  • Somatic-Experiencing (SE)® Practioner
  • Fort- und Weiterbildung „Frühe Kindheit“
  • Praxis in Leipzig

Regulationsstörungen: Wer behandelt besser? Anna Georg

In diesem Vortrag werden die Ergebnisse von Studien zur Wirksamkeit verschiedener Behandlungsansätze der Säuglings-/Kleinkind-Eltern-Beratung und Psychotherapie (SKEPT) dargestellt. Im Zentrum steht eine randomisiert-kontrollierte Wirksamkeitsstudie zur Behandlung von frühkindlichen Regulationsstörungen die am Institut für Psychosoziale Prävention des Universitätsklinikums Heidelberg durchgeführt wurde. In der Studie wurde die Wirksamkeit eines psychodynamisch basierten Kurzzeitverfahrens (fokussierte SKEPT) mit der pädiatrischen Regelbehandlung verglichen. Neben der Frage der Wirksamkeit und Zufriedenheit von Eltern im Vergleich der beiden Verfahren wird die Mentalisierung von Eltern als wesentlicher Wirksamkeitsprozess von SKEPT thematisiert und in Verbindung mit Interventionen untersucht, die die Mentalisierung der Eltern anregen. Weiterhin wird dargestellt, ob elterliche Mentalisierung als Moderator des Therapieerfolgs verstanden werden kann. Der Vortrag soll Raum für die Diskussion verschiedener Ansätze und ihrer Passung für Eltern von Kindern mit frühkindlichen Regulationsstörungen bieten.

Anna Georg

  • Diplom Psychologin
  • Eltern-Säuglings/Kleinkind-Beraterin und Psychotherapeutin
  • Psychologische Psychotherapeutin
  • Mitarbeiterin in der Spezialambulanz für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern des Instituts für Psychosoziale Prävention, Uniklinikum Heidelberg, 
  • Forschungsschwerpunkte: Psychotherapieforschung (Outcome- und Prozessforschung), Mentalisierung, Eltern-Kind-Interaktion, Entwicklungspsychopathologie, Prävention in den Frühen Hilfen, Achtsamkeitsbasierte Interventionen, 
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychosoziale Prävention, Uniklinikum Heidelberg, Dozentin an der FH Coburg, PH Ludwigsburg und EH Darmstadt 

Zuhause: Therapie in Sicherheit? Dr. Markus Wilken

Ein Thema, welches uns als Therapeuten und auch als Klienten bewegt, ist die Unsicherheit in Folge von psychischen und physischen Störungen. Wir sind verunsichert in unserem Körpergefühl, unserer Kommunikation, in unseren Beziehungen und darin, wie wir auf die Welt einwirken. Säuglinge und Kleinkinder stellen hier keine Ausnahme dar, sondern sind darauf angewiesen, dass ihnen ihre Eltern ein Sicherheitsgefühl vermitteln. Nicht umsonst kreist die Bindungstheorie um die sichere Basis als Grundlage dafür, sich auf neue Erfahrungen einlassen zu können. Folglich muss Therapie dem Kind und seinen Eltern maximale Sicherheit geben, um sich aus den entstandenen Störungen herausentwickeln zu können. 

Das Hausbesuchsprogramm der Behandlung von traumatisierten Säuglingen nach intensivmedizinischer Behandlung mit Sondendependenz nutzt dafür nicht nur die therapeutische Beziehung, sondern das „Zu-Hause-Gefühl“. In seiner gewohnten Umgebung ist der Säugling am Sichersten. Hier ist nicht der Säugling, sondern der Therapeut zu Gast. In seinem Zuhause kennt der Säugling seine Sicherheitszonen, sein Spielzeug und kann sich dort orientierten. Da gerade frühe Traumata das Sicherheitsgefühl empfindlich stören, erleichtern die gewohnte Umgebung und der besuchende Therapeut dem Kind einen Schritt heraus aus der Angst und der Aversion.

Auch wenn Therapie in der eigenen Praxis dem Kind eine gute Möglichkeit bietet, sich in neuen Kontexten zu bewegen, ist zu überprüfen, ob wir hier eine ausreichend sichere Basis bereitstellen können. Hausbesuchsprogramme für Säuglinge und Kleinkinder haben sich sowohl klinisch als auch wissenschaftlich als wirkungsvoll erwiesen. Daher sollte die Therapie im häuslichen Umfeld zu einer wichtigen Säule guter Praxis erklärt werden. 

Dr. rer. nat. Markus Wilken

  • Diplom Psychologe
  • Gründungsmitglied der Babysprechstunde Osnabrück
  • Promotion zum Essverhaltens Frühgeborener
  • Certification Infant Mental Health
  • Leiter des Instituts für Sondendependenz Siegburg)
  • Entwicklung des Therapieprogramms: ambulanten Sondenentwöhnung
  • Entwicklung des Therapieprogramms: Affektiven Reanimation bei traumatisierten Säuglingen